Titelthema: 150 Jahre Pfahlbauforschung
Wohnen am Wasser
Text: Marion Heumüller M.A. und Dr. Helmut Schlichtherle, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Arbeitsstelle Gaienhofen-Hemmenhofen.
Den Ufer- und Moorsiedlungen des Alpenvorlandes ist weniger ihre Bauweise, als vielmehr die Lage in feuchten und überfluteten Uferzonen gemeinsam. Aus diesem Grund werden sie in der wissenschaftlichen Forschung auch mit dem neutralen Begriff »Feuchtbodensiedlung« bezeichnet. Was mag vorgeschichtliche Siedler dazu bewogen haben, sich auf einem solchen Gelände niederzulassen und wie kamen sie mit der Umwelt zurecht? Fragen, auf die die Forschung mittlerweile viele Antworten kennt. Originale Hausbauelemente, die unter Wasser bestens konserviert wurden, geben Aufschluss über Bauweise und Grundrisse der Pfahlbauten. Danach waren die mit einem Satteldach versehenen Gebäude zwischen sechs und zwölf Meter lang und zweischiffig, also mit Mittelpfosten ausgestattet. Ihre Wände bestanden aus Rund- oder Spalthölzern, aber auch horizontal zwischen Pfostenzangen geschichtete Prügellagen und Flechtwerk sind nachgewiesen. Lehm diente häufig zur Isolierung der Wände und Fußböden. Gegen Ende des 4. Jt. v. Chr. wurden dafür auch zunehmend leichtere Materialien wie Rinde und Torf verwendet. Zur Dachdeckung benutzte man Brettschindeln und Rindenbahnen, aber auch Rindenschindeln, Stroh, Schilf und Grassoden. Ab 3300 v. Chr. bestimmt ein neues Bild das Aussehen der Siedlungen an Boden- und Federsee. Die Häuser liegen nun an einer zentralen, gut befestigten Dorfstraße, die in Zusammenhang mit neuen Verkehrsmitteln, Rad, Wagen und einer zunehmenden Viehhaltung eine immer größere Bedeutung bekam. Die Besiedlung der Seeufer des Voralpenlandes zog auch erhebliche landschaftliche Veränderungen nach sich. Der Mensch rodete den Wald, um Bauholz für die Häuser, freie Flächen für die Landwirtschaft und Futter für das Vieh zu gewinnen. Dies führte zu einer zunehmenden Auflichtung der ursprünglich dichten Mischwälder im Umfeld der Siedlungen. Der Naturwald wandelte sich zu einem Nutzwald, junge Triebe dienten als Viehfutter und Rohmaterial für Geflechte, ältere als Bauholz. Solche vom Menschen verursachte Zyklen der Landschaftsveränderung konnten im Umfeld zahlreicher Siedlungen nachgewiesen werden. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 3 / 2004.
– Eine Geschichte des alten Ägypten
Stuttgart: Theiss Verlag 2012, 324 S., 19 Abb., 2...
AiD-Lexikon:
Abgeleitet von »gr. ethnos« (= Volk) und »genesis« (= Entstehung). Je nach Forschungsgegenstand von...



