Titelthema: Endneolithikum / Frühbronzezeit

Zeichen eines neuen Zeitalters

Text: Prof. Dr. Johannes Müller, Professur für Vor- und Frühgeschichte, Otto-Friedrich-Universität, Bamberg

In der Prähistorie erkennen wir Zeiten des Stillstandes und des Wandels. So wird das 3 Jt. v.Chr. von einer Phase verstärkter technologischer und sozialer Veränderungen geprägt. Am Übergang von der Stein- zur Bronzezeit ändern sich in Mitteleuropa und auch in weiten Gebieten des übrigen Europas die archäologischen Quellen. Neben Keramikstilen, die nur regional verbreitet waren, gibt es nun normierte Gefäßtypen und Verzierungsmuster, die über Tausende von Kilometern entfernt voneinander auftreten. Außer Stein und Kupfer wird jetzt auch Zinn als Rohstoff für Geräte und Schmuck benutzt. Darüber hinaus erkennen wir eine zunehmende Differenzierung im Bestattungsritual: Neben einfachen Gräbern gibt es erheblich aufwändigere, in der Frühbronzezeit werden sogar reich ausgestattete und groß dimensionierte Hügelgräber angelegt. Dazu kommen neue Formen der Geschlechterdifferenzierung bei den Bestattungen. Für das Endneolithikum können wir mit Schnurkeramik und Glockenbechern Elemente der Zeichensysteme einer Gesellschaft fassen, die sich von der vorhergehenden stark unterscheidet: die Betonung des Individuums, die exakt festliegenden Geschlechterrollen bei der Bestattung, die unterschiedliche Ausstattung mit individuellen Gütern im Tod. Bisher fehlen allerdings Hinweise, die auf ein institutionalisiertes Häuptlingstum verweisen. Die frühbronzezeitlichen sozialen Verhältnisse Mitteleuropas lassen sich als eine Fortentwicklung der schnurkeramischen Sozialstrukturen begreifen. Wir können jetzt eine Bevölkerungsgruppe ausmachen, die sich von der Tradition der Schnurkeramik ableitet und diese überhöht. Eine regelrechte Inszenierung gesellschaftlicher Macht ist erkennbar: die Abfolge reicher frühbronzezeitlicher Bestattungen in Leki Male (Großpolen) bestätigt dabei den wohl institutionalisierten Charakter kleinerer Häuptlingstümer. Das Muster sozialen Wandels, das wir trotz nicht optimaler Quellenlage für Endneolithikum und Frühbronzezeit in Mitteleuropa identifiziert haben, entspricht sicherlich Prozessen, die anderswo und zu anderer Zeit ähnlich verlaufen. Es werden Wurzeln sozialer Ungleichheit sichtbar, die auch für unser heutiges Verhalten und unsere heutigen Gesellschaftsformen noch von Bedeutung sind. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 5 / 2003.

 

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