Forschung: Stadtwüstung Freyenstein

Zerstört, verlegt und aufgelassen

Text: Christa Plate, Brandenburg. LA für Denkmalpflege, Wünsdorf und Thomas Schenk, FH Technik und Wirtschaft, Berlin.

In den 80er-Jahren konnten bei Ausgrabungen auf dem Areal der Stadtwüstung Freyenstein wichtige Hinweise zur Struktur der um 1200 gegründeten Stadt gewonnen werden. 10 Jahre später durchgeführte geophysikalische Untersuchungen haben diese Erkenntnisse auf exzeptionelle Weise erweitert. So gelang es etwa, den nahezu vollständigen Grundriss der Erstgründung sichtbar zu machen, die bereits 1287 zu Gunsten einer Neugründung in unmittelbarer Nachbarschaft aufgelassen wurde. Die Ausgrabungen in Freyenstein begannen 1980, als bei Verlegung einer Telefonleitung zu einer im Zentrum der Stadtwüstung gelegenen ehemaligen Windmühle ein Feldsteinkeller angeschnitten und anschließend freigelegt wurde. In mehreren Grabungskampagnen des damaligen Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam konnten insgesamt sieben Keller in Holz- und Steinbauweise mit vorgebauten Treppen oder rampenförmigen Zugängen ergraben werden. 1987 wurden die Grabungsarbeiten mit Untersuchung einer 100 m² großen Fläche im Zentrum der Stadtwüstung abgeschlossen. Erste geophysikalische Prospektionen in Bereichen mit oberflächlich sichtbaren Steinkonzentrationen erbrachten damals nur unbefriedigende Ergebnisse. Erst 15 Jahre später konnte mithilfe verbesserter Mess- und Rechentechniken und dank finanzieller Unterstützung der Gerda-Henkel-Stiftung und der Sparkassenstiftung Ostprignitz-Ruppin ein umfassendes Prospektionsprojekt von der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (FHTW) in Freyenstein realisiert werden. Basierend auf den Grabungsergebnissen konnten diesmal umfangreiche weitere Informationen gewonnen werden. So lieferten etwa Magnetikmessungen auf einer Gesamtfläche von 17,5 ha zahlreiche Belege weiterer Keller. Diese sind in regelmäßigen Reihen angeordnet, sodass die einstigen Häuserfluchten und damit indirekt auch die Straßenverläufe sichtbar werden. Das Straßensystem bildet ein rechtwinkliges Muster. Alles spricht für einen planmäßigen Ausbau der Stadt nach vorheriger Vermessung. In der südwestlichen Stadthälfte kann eine 88 m x 128 m große rechteckige Freifläche als Marktplatz der Altstadt interpretiert werden. Mehr als 9000 Fundstücke stammen aus einem Teilbereich der Stadtwüstung. Es handelt sich dabei überwiegend um mittelalterliche Keramikscherben der typischen grauen Irdenware. Importkeramik ist nur gering vertreten. Von besonderer Bedeutung sind zahlreiche Eisenschlacken, die als Abfallprodukte von Schmieden entsorgt wurden. Das Projekt in Freyenstein zeigt, dass die archäologische Prospektion ergänzend zu Ausgrabungen wichtige Informationen liefern kann, die sich über Grabungen nicht oder nur mit großem Aufwand erschließen lassen. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 1 / 2004.

Buchrezension:
Die Römer im Rhein-Main-Gebiet

Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro


AiD-Lexikon:
Homo antecessor

(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...

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