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Dolchzeit

Von: Dr. Leif Steguweit

2300–1600 v. Chr. Nach zahlreichen Vorkommen von Feuersteindolchen benannt, die zur persönlichen Ausstattung gehören und daher typische Grabbeigaben waren. Kultur des Nordischen Spätneolithikums (auch »Steinkistenzeit«), folgt auf die Einzelgrabkultur. Verbreitung in Norddeutschland und Dänemark.

Inventar:

Feuersteindolche, die Metalldolche der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer/UnéticerKultur imitieren, und die sich in sechs Typen einteilen lassen; die früheste Form ist ein lanzettförmiger Dolch, dessen Griff nicht abgesetzt, sondern nur angedeutet ist (Typ I), ein lanzettförmiger Dolch mit schmalem, vierkantigem Griff (Typ II), ein Griffzungendolch mit imitierter Gussnaht und breiterer Klinge (Typ III), der nach der charakteristischen Form des Griffes benannte Fischschwanzdolch mit imitierter Gussnaht (Typ IV), der Fischschwanzdolch ohne Gussnaht (Typ V) und schließlich ein Dolch, der den Typen II und III ähnelt, aber dessen breitester Klingenteil sich dem Griff angenähert hat (Typ VI). Typ VI bereits frühbronzezeitlich (Bronzezeit).

Pfeil- und Speerspitzen, Beile, einfache Streitäxte der vorausgehenden Einzelgrabkultur, Klingen, Stichel, Feuersteinblätter mit Knochenschäftung, Schaber, Knochenzylinder als Nadelhalter, Tonbecher und -tassen.

Tierzähne, Bärenkrallen, Anhänger aus Kieselschiefer, Knochen- und Bronzenadeln und Bernstein, oft mit V-förmiger Bohrung, wurden als Schmuck getragen.

Gräber:

Auf die Hügelgräber der vorhergehenden Einzelgrabkultur wurde oft ein weiteres, mit Steinpackungen umgebenes Grab aufgesetzt. Die Steinpackungen können bis zu 4 m x 5 m groß und bis zu 2 m stark sein. Daneben bestattete man auch in geschlossenen Steinkisten aus Steinplatten, manchmal auch aus Findlingen. In Steinkisten je nach Größe einzelne Hock- oder Streckbestattungen (Hockerbestattung), sehr große für Kollektivbestattungen. Auch Brandbestattung ist vereinzelt belegt.

 

 

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