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Eem-Warmzeit

Von: Dr. Leif Steguweit

ca. 130 000–116 000 v. h. Als E. wird in Europa das Interglazial vor dem Holozän bezeichnet (auch »letzte Warmzeit« oder »letztes Interglazial«), benannt nach der typischen Pollenabfolge im Gebiet des niederländischen Flüsschens Eem. Sie entspricht dem Tiefsee-Isotopenstadium 5e.

Der Beginn der E. vor 130 000 Jahren markiert zugleich den Übergang vom Mittel- zum Jungpleistozän. Auf die E. folgten zwei weitere Interstadiale: die frühe Weichsel-Eiszeit in Norddeutschland bzw. die Würm-Eiszeit in Süddeutschland.

Mit einer Dauer von ca. 14 000 Jahren und einem prinzipiell ähnlichen Verlauf bildet die E. einen wichtigen Eckpfeiler der Paläoklimaforschung und zur Beurteilung unserer heutigen Warmzeit des Holozäns. Insgesamt war die E. in Mitteleuropa etwas wärmer und trockener als das Holozän, im Jahresmittel ca. 3°C über heute. Das klimatische Optimum wurde vor ca. 125 000 Jahren erreicht. Die in den letzten Jahren aufgekommenen Diskussionen einer größeren klimatischen Instabilität der E. gegenüber dem Holozän sind anhand von Pollenabfolgen sowie Bohrungen vor der norwegischen Küste (Ocean Drilling Program = ODP) widerlegt.

Buchrezension:
Archäologischer Kalender 2020

Darmstadt: wbg Philipp von Zabern 2019, 24 S., 20 Euro


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Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.