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Kirchenburg

Von: Dr. Annegret Kotzurek

Ein Kirchenbau, der durch seine besondere Bauform nicht nur zur Religionsausübung, sondern auch als Rückzugs- und Verteidigungsbau von der jeweiligen Dorf- oder Ortsgemeinschaft genutzt werden kann.

K. entstehen seit dem 10. Jh. in Notzeiten als Selbsthilfe der ländlichen Bevölkerung, die immer wieder Überfällen und Plünderungen ausgesetzt ist und daher ihre Kirche als, zumeist einzigen Steinbau am Ort, wehrhaft ausbaut. K. sollen Zufluchtstätte für eine größere Anzahl von Menschen und ihrer wichtigsten Habe sein und auch die Versorgung auf einige Zeit ermöglichen. Sie sind eine Weiterentwicklung der Wehrkirchen, die über einen bergfriedartigen Turm und ein befestigtes Schiff verfügen. Bei K. ist die Kirche mitsamt dem Kirchhof (Friedhof) festungsartig von einer Mauer mit Wehrgang und Türmen umgeben. Auch der Kirchturm selbst hat fortifikatorische Funktion und ist oft in der Art eines Bergfrieds ausgebildet, mit Schießscharten und einer Wehrplatte mit oder ohne Wehrgang. Die Kirche kann ein Wehrgeschoss über dem Chor oder einen Chorturm mit Schießscharten sowie Pechnasen zwischen den Strebepfeilern der Außenmauern aufweisen.

Wehrkirchen und K. finden sich v.a. in Schwaben sowie im Osten und Südosten des Deutschen Reiches und darüber hinaus, aber auch in der Schweiz, in Österreich oder Westfrankreich (z.B. Mont-St.-Michel in der Normandie). Gegen die Türkenbedrohung wurden in Siebenbürgen in Rumänien zahlreiche K. mit starken, z.T. mehrfachen Ringmauern mit Bastionen und Außentürmen, wehrhaft ausgebauten Kirchen sowie Wohnräumen und Speichern erbaut.

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Darmstadt: wbg THEISS 2019, 256 S., 240 Abb., 30 Euro


AiD-Lexikon:
Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.

Buch-Tipp:
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