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Motte

Von: Dr. Aline Kottmann

Sehr frühe, wahrscheinlich von den Normannen entwickelte Form der Burg. Bei dieser wurde ein meist hölzerner, in späterer Zeit auch steinerner Wohn- oder Wehrturm oder ein festes Haus auf einem häufig künstlich aufgeschütteten Erdhügel aufgestellt. Der Erdhügel gab dem Bauwerk den Namen M., das vom franz. »Erdklumpen« oder »Scholle« stammt. Die M. wird auch als Turmhügelburg, Erdhügelburg oder Hausberg bezeichnet.

Oft wurde der Turmbau aus statischen Gründen zuerst errichtet und dann mit dem Erdhügel umgeben, also »eingemottet«. Teilweise wurden aber auch natürliche Hügel oder prähistorische Grabhügel genutzt und künstlich abgesteilt. Die Anlage einer M. war von einem Palisaden- oder Mauerring geschützt und oft von einem Wassergraben umgeben bzw. auf einer natürlichen oder künstlichen Insel errichtet. Ebenfalls mit Palisaden geschützte Stallungen und Wirtschaftsgebäude konnten eine oder auch mehrere Vorburgen bilden.

Die M. war eine Weiterentwicklung des germanischen Festungsbaus mit seinen Wällen und Palisaden, nahm aber auch die römische Tradition des befestigten Wachturms auf. Der Bautyp der M. fand bis in das frühe 13. Jh. weite Verbreitung in großen Teilen Mittel- und Westeuropas; hier v. a. im Flachland, aber auch in bergigen Gebieten, in freiem Gelände oder in Städten und Dörfern. Wegen des hohen Alters dieser Burganlagen haben die hölzernen Aufbauten die Zeiten nicht überdauert, die Erdwerke sind aber noch vielfach in gutem Erhaltungszustand vorhanden.

Buchrezension:
Archäologischer Kalender 2020

Darmstadt: wbg Philipp von Zabern 2019, 24 S., 20 Euro


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Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.