AiD-Lexikon / BegriffBegriff

Opfer, Opferfunde

Von: Dr. Susanne Brather-Walter
Kulturgeschichtlich versteht man unter O. die Darbringung von Gegenständen an eine metaphysische, religiöse Macht. Einfacher ausgedrückt: Göttern wird geopfert, doch waren die prähistorischen numinosen Mächte keine anthropomorph vorgestellten Wesen. O. sind durchaus zweckgebunden; sie sollen die Adressaten zu wohlwollendem Handeln veranlassen, indem sie in eine Art Gabentausch mit den Bittstellern gezwungen werden (do ut des).

Drei Dinge lassen sich opfern: Gegenstände, Tiere und Menschen. In vielen religiösen Vorstellungen verbirgt sich dahinter eine zivilisatorische Entwicklung: ‚früher’ habe man Menschen geopfert, tue dies aber schon lange nicht mehr. Auch die Form der Opferung kann unterschiedlich ausfallen. Man kann etwas vollständig darbringen oder bloß symbolisch, indem nur einige Teile geopfert werden – pars-pro-toto. Ein O. ist ein ritueller Akt, in dessen Verlauf verschiedene, festgelegte Handlungen vollzogen werden. Die Behandlung des O. kann ein Verbrennen oder eine gewaltsame Zerstörung einschließen. O. werden an bestimmten Orten vollzogen. Die Antike kannte Brandopferplätze und Altäre. Archäologisch lassen sich Bau-O. beschreiben, die – wie z. B. Hunde – die Fundamente von Gebäuden sichern sollten. Trank- und Speise-O. stellten den Göttern – auch in Naturheiligtümern wie Felsspalten, heiligen Hainen oder Gewässern – Nahrungsmittel zur Verfügung, wobei erhebliche Teile davon durch die Kultgemeinschaft verbraucht werden konnten. Bei kaiser- und völkerwanderungszeitlichen Heeresausrüstungsopfern versenkte man offensichtlich die Ausrüstung besiegter gegnerischer Kriegerverbände. Von den bekannten Moorleichen sind wahrscheinlich nur wenige als Menschen-O. anzusehen. Während bronzezeitliche Hortfunde weithin als O. interpretiert werden, gelten die Silberschätze der Wikingerzeit als gehortete Zahlungsmittel. Dieser Gegensatz verweist auf die Schwierigkeiten archäologischer Interpretationen, die O. von profanen Versteckfunden wie Rohstoffdepots unterscheiden müssen.

Buchrezension:
Auferstehung der Antike

Archäologische Stätten digital rekonstruiert

Darmstadt: wbg Philipp von Zabern 2019, 132...


AiD-Lexikon:
Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.