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Paläopathologie

Von: Prof. Dr. Joachim Wahl

Abgeleitet von altgr. palaios (= alt), pathos (= Schicksal, Leiden) und logos (= Lehre, wissenschaftliche Untersuchung), wörtlich: „Lehre von den alten Krankheiten“.

Teilbereich der Palä(o)anthropologie, Prähistorischen Anthropologie, Paläontologie und Archäozoologie. Je nach Erhaltungszustand des Fundguts können fast ausschließlich krankhafte Veränderungen an Knochen und Zähnen, und nur selten an Resten von Weichgewebe diagnostiziert werden. Das weitgehende Fehlen von Weichteilen verhindert vielfach eine Differentialdiagnose und hat gleichzeitig zur Folge, dass Morbiditätsstatistiken prähistorischer Populationen stets unvollständig sind. Während bestimmte Erkrankungen mit charakteristischen Spuren am Skelett einhergehen, sind die meisten Krankheiten „knochenstumm“. Problematisch ist nicht selten auch die Abgrenzung pathologischer Veränderungen von (pseudopathologischen) Alterationen taphonomischen Ursprungs. Bei der Untersuchung kommen moderne naturwissenschaftliche Methoden zum Einsatz ebenso wie medizinische Verfahren (u.a. Histologie, Röntgen, Computertomographie, Endoskopie, Elektronenmikroskopie), dazu biochemische und molekulargenetische Analysen. So lassen sich z.B. die Anreicherung von Schwermetall sowie das DNA-Profil der Erreger von Pest und Tuberkulose direkt aus bodengelagerten Knochen nachweisen. Unter den am Skelett erkennbaren Erkrankungen finden sich am häufigsten Spuren von Degenerationserscheinungen im Bereich der Wirbelsäule und Gelenke sowie Befunde im Bereich des Kauapparates (v.a. Parodontopathien, Karies, intravitaler Zahnverlust). Frakturen sind häufig Folge eines Unfallgeschehens. Dazu kommen Hinweise auf Mangelerscheinungen, Entwicklungsstörungen, Stoffwechselerkrankungen, Infektionskrankheiten, Krebs u.a.m. Neben der reinen Kasuistik stehen epidemiologische Fragen hinsichtlich Auftreten, Häufigkeit und Verbreitung bestimmter Befunde in Raum und Zeit. Damit liefert die Paläopathologie wesentliche Anhaltspunkte zur Rekonstruktion der Lebensbedingungen unserer Vorfahren.

Buchrezension:
Metropolen der Antike

Darmstadt: wbg Philipp von Zabern 2019, 240 S., 48 Euro


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Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.