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Paläotraumatologie

Von: Prof. Dr. Joachim Wahl

Abgeleitet von altgr. palaios (= alt), trauma(tos) (=Verletzung, Wunde) und logos (= Lehre, wissenschaftliche Untersuchung), wörtlich: »Lehre von den alten Verletzungen«. Teilbereich der Paläoanthropologie und Prähistorischen Anthropologie.

Entscheidend für die Beurteilung und Interpretation traumatischer Spuren am Knochen ist ihre Abgrenzung gegenüber Ursachen, die auch postmortal zu Materialverlusten und Zusammenhangstrennungen führen können (z.B. Erddruck, Verwitterung, Wassertransport, Tierverbiss und Wurzelfraß). Als Hauptgruppen gilt es, stumpfe von scharfen, direkte von indirekten und verheilte von unverheilten Gewalteinwirkungen (GE) zu unterscheiden. Schlagverletzungen gehen stets auf stumpfe, Hiebverletzungen auf scharfe GE zurück. Zunächst erfolgt die Beschreibung des Defektes hinsichtlich seiner Lage, Form und Ausdehnung sowie des Verlaufs und Profils der einzelnen Bruchkanten (Biegungs- oder Berstungsfrakturen), evtl. irreversibler Deformationen oder loser Knochenteile. Unter Berücksichtigung möglicherweise erhaltener Gerätespuren (Scharten, Teilprofile o.ä.) kann dann das zeittypische Geräteinventar auf potenziell als Waffe verwendete Gegenstände überprüft und ggf. eine plausible Täter-Opfer-Geometrie rekonstruiert werden.

Manche Verletzungen gehen mit typischen Lokalisierungen einher. Sog. Parierfrakturen liegen z. B. regelhaft im handgelenksnahen Drittel der (linken) Elle. Problematisch ist die Beurteilung von Mehrfachtraumatisierungen, da sich die Spuren der einzelnen GE überlagern. Ebenso die Ansprache des Zeitpunkts, wann eine Verletzung entstanden ist: Knochen kann – je nach Lagerung – auch Jahre nach dem Tod biomechanisch noch wie ein frischer Knochen reagieren.

Makroskopisch lassen sich erste Heilungserscheinungen nach ca. 2–3 Wochen erkennen. Rein statistisch muss davon ausgegangen werden, dass ein großer Teil der GE nur die Weichteile betrifft und keine Spuren am Skelett hinterlässt.

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Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.