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Patrocinium

Von: Dr. Martin Baumeister

Der Begriff P. leitet sich ursprünglich aus römischen Rechtsvorstellungen ab. Der Patron, lat. Patronus, war ein Schutzherr, dem man sich unterstellte, um als Klient Schutz und Beistand zu empfangen und im Gegenzug Unterstützung zu geben.

Diese Begrifflichkeit wurde in der Spätantike auch auf das Verhältnis zwischen Heiligen und ihren Anhängern übertragen. Da die Heiligen in ihrer Grabeskirche als tatsächlich anwesend und damit als rechtliche Personen gedacht wurden, konnten sie auch die Funktion eines lebendigen Patronus übernehmen.

Zusätzlich zum Beistand im Jenseits, also der Fürbitte für den Anhänger vor Gott, konnte dies durchaus auch Hilfe im Diesseits beinhalten. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch den zunehmenden Reichtum von Kirchen, die sie auch als wirtschaftliche Patrone auftreten ließ. Waren die heiligen Patrone zunächst v. a. auf die Aufbewahrungsorte ihrer Gebeine beschränkt, weitete sich der Aktionsradius im Lauf des Mittelalters durch Reliquienverbreitung und Kirchenneugründungen, aber auch durch die zunehmende Verehrung mehrerer Heiliger an einem Ort, überregional aus.

 

Die Gruppen, die sich dem Schutz eines heiligen Patrons unterstellten, wurden ebenfalls vielfältiger, neben ortsfesten Gemeinden kamen überregionale Bruderschaften hinzu, die nach beruflichen oder ständischen Kriterien organisiert waren. So gab es Ritterheilige für Ritter, Schuhmacherheilige für Schuhmacher, sogar Krankheitsheilige für betroffene Gruppen. Nutznießer des P. war in jedem Fall der Klerus, der den Besitz des Heiligen verwaltete. Dem gegenüber sollte man aber auch die positiven Aspekte des P. nicht übersehen: Neben dem damit verbundenen reichen kulturellen Schaffen (Kirchenbauten, Kunst, Musik zu Ehren des Heiligen) bot das P. auch die Möglichkeit, sich in der unruhigen Welt des Mittelalters gesellschaftlich stabilisierend und vergleichsweise friedlich zu organisieren.

 

 

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Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.