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Schnitt

Von: Dipl.-Ing. Thomas Schenk
Das Schneiden freigelegter Befunde ist ein wesentlicher Arbeitsschritt im Verlauf einer Ausgrabung. Das Ziel besteht darin, den zuvor im Planum nur zweidimensional dokumentierten Befund auch in seinem inneren Aufbau und seiner Tiefe zu erfassen und dabei Befundzusammenhänge zu erkennen.

Sehr oft liegen Gruben oder Pfosten sehr dicht nebeneinander oder überlagern sich. Anhand des beim Schneiden entstehenden Profils ist dann zu entscheiden, welcher Befund in den anderen eingreift und folglich jünger sein muss als der andere. Das gelingt jedoch nur, wenn die zeitlich verschiedenen Schichten sich in Färbung, Konsistenz oder durch Beimischungen (z. B. Holzkohle) trennen lassen. Die Ausrichtung und Länge der stets geraden Schnittachsen muss sich nach der Form und Größe des Befundes, seiner Anordnung zu benachbarten Befunden und nach den erkennbaren bzw. zu vermutenden Überlagerungen richten. Zur Markierung der Achsen eignet sich Maurerschnur, die mit Ringnadeln fixiert wird. Kleinere und deutlich abgegrenzte Befunde werden mit einem halbierenden Schnitt untersucht. Eine Hälfte wird abgetragen, das Profil dokumentiert und dann die zweite Hälfte abgebaut. Bei größeren Befunden ist ein Kreuzschnitt vorteilhafter. Zwei sich gegenüber liegende Quadranten geben nach dem Abtiefen den Blick frei auf vier Teilprofile, die dann zeichnerisch zusammengefügt werden. Ein Kreuzsteg bietet die Möglichkeit, den gesamten Befund mit zunehmender Tiefe beobachten zu können. Schichtzusammenhänge sind zu beiden Seiten der Profilstege überprüfbar. Es empfiehlt sich die Anlage von mehreren Zwischenplana. Der Ausgräber muss auf eine sorgfältige Trennung anfallenden Fundmaterials achten, was besonders bei erkannten Befundüberschneidungen wichtig ist. Nur so lassen sich die Einzelbefunde einer absoluten Chronologie zuweisen.

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Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.