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Siedlungsarchäologie

Von: Dr. Susanne Brather-Walter
Die S. beschäftigt sich mit Siedlungen und Besiedlungsvorgängen. Umfassend verstanden, gehören dazu auch Gräber, Äcker und Weiden, Heiligtümer, Rohstoffabbau und Verkehrswege.

In diesem Verständnis fällt die S. mit der archäologischen Forschung insgesamt zusammen. Ihr geht es hauptsächlich um die Untersuchung von Haus- und Hofformen und die Struktur- bzw. Siedlungslandschaften. Die Landschaft selbst steht im Mittelpunkt der Landschaftsarchäologie, die geografische Räume sowohl als wirtschaftlich genutzte Gebiete als auch von den Zeitgenossen jeweils spezifisch wahrgenommene Areale untersucht. Den komplexen Wechselbeziehungen zwischen Besiedlung und Umwelt widmet sich mit der Umweltarchäologie eine weitere Subdisziplin. Die Anfänge der S. liegen im frühen 20. Jh. Nachdem sich bis dahin alle chronologischen und räumlichen Untersuchungen auf Gräber gestützt hatten, begann man, Siedlungsbefunde als Quellen zu erkennen und damit neue Aussagemöglichkeiten zu erschließen. Gustaf Kossinna, von dem der Begriff S. stammt, legte seinen Untersuchungen aber ausschließlich Grabfunde zugrunde. Seit den 1920er-Jahren etablierte sich die S. in enger Verbindung mit Naturwissenschaften, die Pflanzenreste und Tierknochen als Nahrungsreste analysierten. Feuchtbodenbedingungen – im Nordseeraum ebenso wie im Alpenvorland – erwiesen sich als besonders günstige Umstände für eine S. Siedlungsarchäologische Untersuchungen setzen großflächige Ausgrabungen voraus, weil nur so Strukturen zu erschließen sind. Zur Entdeckung von Siedlungen wie zur Analyse des Umfeldes sind Prospektionen unabdingbar, die von traditionellen Feldbegehungen (Surveys) über die Luftbildarchäologie und Airborne-Laserscanning-Verfahren bis zu geophysikalischen Methoden reichen. Die Auswertung der komplexen siedlungsarchäologischen Funde und Befunde setzt eine intensive Kooperation mit zahlreichen Naturwissenschaften voraus.

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– Medicus – Die Macht des Wissens
Darmstadt: wbg THEISS 2019, 256 S., 240 Abb., 30 Euro


AiD-Lexikon:
Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.

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