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Spolie

Von: Dr. Annegret Kotzurek
Lat. spolium: Raub oder Kriegsbeute. Ursprünglich bezeichnet der Begriff in römischer Zeit die dem Feind abgenommene und den Göttern dargebrachte Siegesbeute (Helm, Harnisch und Waffen).

Später werden diese Beutewaffen in der griechischen und römischen Baukunst zum Beispiel an Triumphsäulen oder -bögen auch auf Reliefs dargestellt. Daneben bezeichnet man als S. auch die von einem besiegten Gegner geraubten bzw. aus einem anderen Kulturzusammenhang entnommenen und bei einem Neubau wiederverwendeten Kunstwerke, Bauteile oder Schmuckelemente (Säulen- oder Kapitellreste, Teile von Reliefs oder Skulpturen, Friese und Architravsteine). S. in der Architektur können ohne künstlerische Absicht durch die Verwendung von Gebäuderuinen als Steinbruch für Neubauten verwandt werden, spätestens seit der Spätantike erlangen sie aber auch politische und religiöse Bedeutung und werden bewusst eingesetzt. Spolienimporte sollen Machtansprüche dokumentieren und die eigene Herrschaft legitimieren, Traditionen, Kontinuitäts- und Geltungsansprüche verdeutlichen – z. B. römische Tempelsäulen in frühchristlichen Kirchen – und können auch einen Reliquiencharakter besitzen. In vielen Fällen ist eine strikte Unterscheidung zwischen bewusster, politisch motivierter Aneignung fremden Kunstgutes und simpler Wiederverwendung, beispielsweise durch Mangel an Baumaterial bedingt, nicht möglich. Seit der Renaissance verliert der Einsatz von S. seine politische Dimension, sie werden nun als romantische Zitate und Versatzstücke gesammelt und verbaut.

Buchrezension:
Medicus

– Medicus – Die Macht des Wissens
Darmstadt: wbg THEISS 2019, 256 S., 240 Abb., 30 Euro


AiD-Lexikon:
Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.

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