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Tatinger Keramik

Von: Dr. Martin Baumeister

Die T. ist eine auffällige und hochwertige Keramikgruppe von Mitte des 8. bis Mitte des 9. Jh., die vor allem im Fränkischen Reich und seinen nördlichen Nachbargebieten vorkommt. Ihr Formenspektrum umfasst neben Trinkgefäßen insbesondere charakteristische Kannen von bis zu 26 cm Höhe mit tief liegender Bauchung, deutlicher angesetzter Ausgusstülle und Bandhenkel.

Die Herstellung erfolgte überwiegend auf der schnell drehenden Töpferscheibe. Die Gefäße bestehen aus grauem Ton mit schwarzer (bisweilen auch brauner bis grauer) geglätteter Oberfläche oder Überzug, die meist vorhandenen Ornamente sind geometrisch und bestehen aus aufgeklebter Zinnfolie oder weiser Farbe.

Der Name T. leitet sich von einem frühen friesischen Fundort (Tating in Schleswig-Holstein) ab, der eigentliche Herstellungsort ist jedoch nach wie vor ungeklärt. Grundsätzlich kommen dafür alle wichtigen Produktionszentren des Fränkischen Reiches in Bedacht. Funde stammen etwa aus dem Rheinland, aus Westfalen, dem Maasgebiet oder Paris, jedoch sind bisher nirgends Brennöfen oder Werkstätten ausgegraben worden.

Die weite Verbreitung der T. außerhalb des Reiches im angelsächsischen und skandinavischen Kulturraum ist sicher als Handelsware zu interpretieren, da hier die Voraussetzungen für eine derart hochwertige Keramikproduktion fehlten. Als Luxusgeschirr waren die T. in diesem Raum allerdings sehr begehrt, wie etwa Funde von wikingischen Handelsplätzen (Ribe, Kaupang, Birka) zeigen. In Birka (Schweden) wurde in wohlhabenden Gräbern T. zusammen mit Trinkgefäßen (auch aus Glas) und weiteren reichen Beigaben gefunden. Diese Beliebtheit steht vermutlich im Zusammenhang mit der Bedeutung repräsentativer Trinksitten in den nordischen Gesellschaften, u. U. auch mit dem gleichzeitigen Import von Wein aus dem Fränkischen Reich.

Buchrezension:
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