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Trepanation

Von: Prof. Dr. Joachim Wahl
Als T. wird eine planmäßige Öffnung des Schädels zur Durchführung operativer Eingriffe am Gehirn oder zur Behandlung von Verletzungen des Schädeldachs bezeichnet (abgeleitet von altgr. trepan/trypanon: Bohrer).

In der Vorgeschichte sind jedoch Operationen am Gehirn selbst auszuschließen. Im Schrifttum finden sich voneinander abweichende Definitionen, je nachdem, ob neben intravitalen auch postmortale Eingriffe subsummiert werden, das Schädeldach zum Zeitpunkt des Eingriffs noch intakt war oder nicht, bzw. auch die Versorgung von traumatischen Defekten hinzugerechnet wird. Dabei ist die Unterscheidung einer Trepanationswunde am Schädel eines Patienten, der unter oder kurz nach der Operation stirbt, von einer Öffnung, die posthum womöglich nach Entnahme eines Schädelrondells zurückbleibt, kaum möglich, solange der Knochen noch seine biomechanischen Eigenschaften besitzt. Ebenso würde ein ehemals vorhandener Lochdefekt nach der Behandlung evtl. nicht mehr als ursächlich erkennbar sein, wenn die Knochenränder entsprechend bearbeitet wurden und der Patient überlebt hat. Motive für die Durchführung einer Trepanation können u.a. sein: Versorgung einer Schädelverletzung, Gewinnung von Amuletten, Behandlung von Kopfschmerzen, Epilepsie o.ä., evtl. in der Annahme, einen „bösen Geist“ zu entlassen, oder andere (pseudomedizinische) Indikationen zur Therapie von Schmerzzuständen aller Art. Die meisten Trepanationen sind aus Mittelamerika, eine größere Zahl auch aus dem Neolithikum Mitteleuropas, insbesondere der schnurkeramischen Kultur (Schnurkeramik) bekannt. Am häufigsten zum Einsatz kam die sog. Schabemethode (Flächen-, Ringzonenschaben), deutlich seltener die Schneide-/Sägemethode, Bohrmethode (Loch-, Ringlochbohrmethode) und Kreuzschnittmethode. Dabei wurden über 80 % der jungsteinzeitlichen Trepanationen überlebt. Einige wenige Bohrtrepanationen stammen aus frühmittelalterlichem Kontext. Differenzialdiagnostisch problematisch sind verletzungsbedingte Abkappungen oder postmortale Abtragungen (Pseudotrepanationen).

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Archäologischer Kalender 2020

Darmstadt: wbg Philipp von Zabern 2019, 24 S., 20 Euro


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Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.