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Wurtenforschung

Von: Dr. Jonathan Scheschkewitz
Ursprünglich begründet liegt das Interesse an der »Wurtenforschung« in der Frage, inwieweit die postglazialen Meeresspiegelschwankungen Auswirkungen auf die Küsten und das küstennahe Hinterland der Geest hatten und inwiefern daraus Erkenntnisse über zukünftige Entwicklungen zu erzielen seien.

Es standen somit ökonomische Interessen bezüglich der Planung für den Deich- und Wasserbau, der Landentwässerung und Landgewinnung im Vordergrund. Hierbei bildete sich sehr früh eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aus historischen und geowissenschaftlichen Fächern heraus. Ziel war eine Korrelation der Kulturschichten in den Wurten mit den Meeresablagerungen, um damit eine Datierung der jeweiligen Überflutungshöhen zu erzielen. Der Beginn der unabhängigen W. geht bereits in das frühe 19. Jh. zurück, als erste Überlegungen zur Entstehung der Wurten oder Warften formuliert wurden. Auch wenn der Versuch aufgrund mangelnder Genauigkeit der Datierungsmöglichkeiten scheiterte, wurde deutlich, dass es sich bei den Wurten um Siedlungen handelt, die durch anthropogene Aufschüttungen angewachsen sind, an denen vermutlich die Anpassung des Menschen an den steigenden Meeresspiegel nachvollzogen werden konnte. Die moderne Wurtenforschung ist auf niederländischer Seite untrennbar mit Albert van Giffen, der 1908 beim Abtrag einer Wurt bei Groningen Aufsicht führte, auf deutscher Seite mit der 1938 als Abteilungen in Kiel und Hannover gegründeten Marschen- und Wurtenforschung, dem heutigen Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven, verbunden. Zu erwähnen sind Werner Haarnagel und Albert Bantelmann, deren großflächige Ausgrabungen, wie auf der Feddersen Wierde und dem Elisenhof, bis heute Grundlagen für weiterführende Auswertungen liefern.

Buchrezension:
Auferstehung der Antike

Archäologische Stätten digital rekonstruiert

Darmstadt: wbg Philipp von Zabern 2019, 132...


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Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.