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Archäologie und Geschichte in Englands Süden

Südengland
Text: Melanie Ippach

»Da konnte ich nicht nein sagen. Nicht bei einem solchen Programm«, so ein Teilnehmer der jüngsten Leserreise von Archäologie in Deutschland. In der Tat bot die einwöchige Reise nach Südengland eine Zusammenstellung von Sehenswürdigkeiten, wie sie bei anderen Studienreisen fast nie zu finden ist. Und so setzten am 2. Juli dreißig Archäologiebegeisterte über den Kanal, um bei strahlendem Sonnenschein den Süden der Insel zu erkunden, begleitet und geführt von dem Römerexperten Dr. Andreas Thiel.

Die Römer bildeten denn auch einen wichtigen Schwerpunkt auf der Reise. Wo in Deutschland findet man schließlich vergleichbar gut und in solch beträchtlicher Höhe erhaltenes Mauerwerk wie etwa in den Kastellen von Richborough und Portchester oder in Verulamium, dem heutigen St. Albans? Und dass mit den Römern auch einiger Luxus ins raue Britannien kam, wird nirgends spürbarer als in den großen Thermen von Bath oder in der römischen Villa von Fishbourne mit ihren hochwertigen Mosaiken.

Mit den Römern tritt Britannien aus dem Dunkel der Vorzeit heraus. Doch auch diese hat Spannendes, Berühmtes, aber vor allem Mythenumwobenes zu bieten: von weißen Pferden, die mitten im Grün der Wiesen leuchten, über den künstlich aufgeschütteten Hügel Silbury Hill und Steinkreise wie Avebury oder Stonehenge bis hin zu Großsteingräbern wie Wayland’s Smithy oder West Kennet.

In Grime’s Graves hatten die Teilnehmer die einmalige Gelegenheit, in eine steinzeitliche Feuersteinmine hinabzuklettern. In West Stow spürte man dem Alltagsleben der Angelsachsen nach und in Sutton Hoo konnte man einem von ihnen begegnen – selten vermag eine Rekonstruktion mehr zu beeindrucken als das wieder hergestellte Innere des dort gefundenen Schiffsgrabs.

Besonders beeindruckend waren die Überreste von Old Sarum: Seit der Eisenzeit besiedelt, sind auf dem Hügel heute die Reste des normannischen Königspalasts und der Kathedrale des Bistums Salisbury zu entdecken. Doch wurde der Ort im 13. Jahrhundert aufgelassen, der Bischofssitz wurde um wenige Kilometer verlegt. Dorthin, wo noch heute die gewaltige Kathedrale in den Himmel ragt.

Auch in Colchester und Dover haben nahezu alle Epochen ihre Spuren hinterlassen. Noch weit konnte man den römischen Leuchtturm Dovers erkennen, als die Gruppe erschöpft aber glücklich am 9. Juli wieder die Heimreise über den Kanal antrat – wie schon auf der Hinfahrt bei strahlendem Sonnenschein.

 

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AiD-Lexikon:
Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.