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07.12.2017

Kinofilm »Der Mann aus dem Eis«

von AiD/AW

Gut 5000 Jahre nach seinem wohl dramatischen Tod und 26 Jahre nach der sensationellen Entdeckung des Jungsteinzeitlers »Ötzi « hoch oben im Alpenhautkamm ist dieser nun auch in die Spielfilmgeschichte eingegangen.

Dazu war vor allem Fantasie gefragt – und die regt der Eismann natürlich an: Wie sah sein soziales Umfeld aus? Wer hat ihn ermordet? Was hatte er auf fast 3000 m Höhe zu suchen? Fragen, die auch von den vielen Wissenschaftlern, die sich mit der bestuntersuchten Leiche unserer Zeit intensiv beschäftigt haben, letztlich nicht umfassend beantwortet werden können.

Spekulativem bleibt also viel Raum. So erzählt der Film eine Geschichte, die der Fiktion freien Lauf lässt und sicher ein gutes Stück von der Realität entfernt ist. Vor allem die Wucht bewegter und bewegender Bilder prägt so den Film: Heroische Schnee- und Gletscherlandschaften, gefährliche Klettereien und spektakuläre Stürze untermalt von kräftigstem Sound kontrastieren mit Steinzeitsex oder idyllischen Kinder- und Familienszenen.

Die Sprache, derer sich das insgesamt hochkarätige Schauspielerensemble bedient, versteht wohl kein Kinobesucher, denn diese Verbalisierung stammt laut Presseinfo von einem Sprachforscher, der das Urrätische zugrunde gelegt hat. Dem sicher beeindruckten Betrachter bleibt so die Gestik und die Story eines rachesinnenden Ötzi, der als Clanchef das Dahinmorden seiner gesamten kleinen Sippe vergelten und sein dabei entwendetes Stammesheiligtum, einen großen spiegelnden Edelstein in einer »Vesperbox«, zurückholen will. Dass dabei viel Blut und viele Tote gut ins Bild gesetzt werden, dafür sorgt ein preisgekrönter Kameramann, der schon für »Tatort« arbeitete und auch Charlotte Roches »Feuchtgebiete« abgedreht hat.

Wer nun aber nicht Hollywood, sondern archäologisch Interessantes und wissenschaftlich Erhellendes sucht, sollte lieber das Museum in Bozen oder eine der vielen Dokumentationen über die »geschundene Leiche« ansehen.

Kinofilm (Filmstart 30. November 2017)
»Der Mann aus dem Eis«
Regie: Felix Randau
Mit: Jürgen Vogel, André M. Hennicke, Susanne Wuest, Violetta Schurawlow, Sabin Tambrea, Martin A. Schneider und Franco Nero
Kamera: Jakub Bejnarowicz
Deutschland/Italien/Österreich 2017

Buchrezension:
Als der Mensch die Kunst erfand

– Eiszeithöhlen der Schwäbischen Alb

Darmstadt: Theiss Verlag 2017, 192 S., 110 farb....


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Danewerk

Riesige frühmittelalterliche Wallanlage im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Dänemark.