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06.12.2018

Mammutrippe mit Strichreihen – was zählten unsere Urahnen?

von AiD

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Nicholas Conard von der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen stellte im Juli 2018 auf einer Pressekonferenz im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren einen neuen Fund aus den Welterbe-Höhlen der Schwäbischen Alb vor: Eine 44?cm lange Mammutrippe mit zwei Reihen von Markierungen aus 83 bzw. 90 Strichen. Die Enden der Rippen wurden abgerundet bzw. abgebrochen. Die Markierungen sind auf der dickeren Kante der Rippe angebracht. An anderer Stelle trägt die Rippe weitere 13 Einschnitte, die jedoch etwas anders aussehen. Alle Markierungen sind sehr gut erkennbare, saubere Einschnitte, die mit Sicherheit gezielt platziert wurden. Sie unterscheiden sich in Länge und Tiefe und wurden wahrscheinlich nicht in einem Durchgang eingeritzt.

Der Knochen wurde 2017 bei Ausgrabungen im Hohle Fels aus Schichten des Gravettien geborgen, die zwischen 35?000 und 30?000 Jahre alt sind. Professor Conard zu dem Fund: »Obwohl viele gravettienzeitliche Funde Markierungen tragen, sind Vergleichsstücke aus Südwestdeutschland selten ... Wir vermuten stark, dass die Rippe als Informationsträger diente.« Genau lasse sich nicht sagen, welche Art von Information hier festgehalten wurde. Die Ausgräber vermuten, dass etwas gezählt wurde, seien es erbeutete Tiere, Menschen, Tage, Mondzyklen oder etwas anderes. Conard weiter: »Eine Art von Kalender ist zwar naheliegend, aber die Zahlen 83, 90 und 13 ergeben für uns kein klares System.«

Der Mensch benutzte die Rippenknochen großer Tiere gerne als Werkzeug – etwa zum Walken von Leder. Da große fetthaltige Knochen aber auch ein Ersatz für das in der Eiszeit knappe Brennholz waren, sind sie relativ selten erhalten geblieben. Die Mammutrippe wird bis Anfang Januar 2019 im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren als »Fund des Jahres« ausgestellt.

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