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02.02.2017

Mit Quad und Magnetstrahlen: Archäologen durchleuchten Äcker und Felder in Paderborn

von LWL-Archäologie für Westfalen

Was nach Freizeitvergnügen aussieht, ist harte Arbeit: Mit dem Quad sind jetzt die Profis vom Wiener Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie über die Felder und Äcker an der Barkhauser Straße in Paderborn gefahren. In Kooperation mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) wollten die Wissenschaftler sicherstellen, dass auf dem Gelände des geplanten Gewerbegebiets keine archäologischen Artefakte liegen.

Bereits in der Vergangenheit waren in unmittelbarer Nähe Relikte im Boden aufgetaucht. Die ersten Hinweise stammen aus den 1970er Jahren. Damals entdeckten die Archäologen Hinweise auf eisenzeitliche und mittelalterliche Besiedelung. Eine weitere Fläche, auf der von 1998 bis 2003 der Siedlungsplatz »Saatental« dokumentiert wurde, ist ebenfalls nicht weit entfernt. Zuletzt konnte die Stadtarchäologie Paderborn auf einem für die Entstehung einer neuen Grünfläche vorgesehenen Areal an der Barkhauser Straße Siedlungszeugnisse festhalten. Öfen, Gruben, Pfostenspuren und Keramik fanden sich hier im Boden. Deshalb wollen die Archäologen nun sichergehen, wie groß die Ausdehnung dieser Siedlung ist, die direkt neben den für das neue Gewerbegebiet vorgesehenen Flächen liegt.

Antworten darauf kann das Quad mit seiner komplizierten Technik geben. Denn was äußerlich wie ein Freizeitflitzer aussieht, hat es wortwörtlich in sich: Im Anhänger sind acht Sensoren für Magnetometrie verarbeitet, die auf vier Rädern über das Gelände gezogen werden und dabei Signale in den Boden senden. Auf diese Weise messen sie Veränderungen im Erdmagnetfeld, die durch archäologische Strukturen wie Mauern, Gruben oder Gräben entstehen. Die Signale erfasst ein am Lenker installierter Computer, der sie in digitale Bilder umwandeln kann.

Die Quads und die damit verbundene Technik der physikalischen Prospektion sind im Rahmen einer Projekt-Kooperation für die LWL-Archäologie für Westfalen an mehreren Verdachtsstellen in allen Regionen unterwegs, wo vermutete Bodendenkmäler im Boden liegen. »Der große Vorteil ist, dass wir zerstörungsfrei arbeiten können und wichtige Erkenntnisse gewinnen, ohne die Bodendenkmäler in der schützenden Erde zu stören«, erläutert Jakob Kainz.

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