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05.03.2020

Rituelle Gewalt der Maya

von AiD

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Während die bildliche Darstellung ritueller Gewalt bei den klassischen Maya bekannt ist, konnten physische Belege für diese Praktiken bislang kaum im archäologischen Befund dokumentiert werden. Seit einigen Jahren untersuchen Wissenschaftler der Bonner Universität im Rahmen eines von der Gerda Henkel Stiftung geförderten Projekts den Kontext sowie die politische und religiöse Funktion dieses Phänomens.

Ausgangspunkt ist ein Massengrab, das 2013 bei der Untersuchung des Wasserversorgungssystems der früheren Maya-Stadt Uxul im heutigen Mexiko entdeckt wurde. Dabei stießen Archäologen am Boden eines Brunnens auf die Überreste von etwa 20 Menschen die offenbar vor rund 1400 Jahren getötet und zerstückelt wurden. Jüngste Resultate von Strontium-Isotopenanalysen winziger Proben aus dem Zahnschmelz von insgesamt 13 der Individuen geben nun erstmals Hinweise darauf, dass der Großteil der Getöteten im mindestens 150 Kilometer entfernt liegenden Tiefland südlich von Uxul aufgewachsen ist. Da acht der Individuen aufwendigen Zahnschmuck aus Jade oder Gravuren in den Schneidezähnen aufwiesen, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Menschen von hohem sozialem Rang handelt. Die plausibelste Erklärung für die aktuelle Datenlage ist, dass es sich vornehmlich um Kriegsgefangene aus einer Stadt im südlichen Maya-Tiefland handelt, die bei einer kriegerischen Auseinandersetzung unterlagen und daraufhin nach Uxul gebracht und getötet wurden.

Mehr darüber erfahren Sie in der Video-Dokumentation der Gerda Henkel Stiftung.

Buchrezension:
Medicus

– Medicus – Die Macht des Wissens
Darmstadt: wbg THEISS 2019, 256 S., 240 Abb., 30 Euro


AiD-Lexikon:
Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.