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Buchrezension

Die Erfindung der Hose

Mayke Wagner, Pavel E. Tarasov

Mainz: Nünnerich-­Asmus Verlag 2019, 160 S., mit DVD, 14,90 Euro

Bitte mehr davon! Das DAI hat mit diesem Buch (inkl. Film auf DVD) eine fantastische neue Reihe gestartet. Die ­Bindung ist ungewöhnlich, die Papierfarbe schmeichelt dem Auge, nur der Schriftgrad könnte etwas größer sein. Aber worum geht’s?

Ausgangspunkt dieses Bandes ist ein Grabfund aus dem äußersten Westen Chinas: Die Leiche eines Mannes, erstaunlich gut erhalten, liegt da voll bekleidet und bewaffnet, die Beine angewinkelt. Er trägt: eine Hose! Wem das selbstverständlich scheint, der sollte mal ganz scharf nachdenken, aus welchen Kulturen er Hosen kennt. Ötzi trug, so erfahren wir, nur Röhren aus Ziegenfell, und auch im kalten Skandinavien hatte man sie nicht. Warum also jetzt hier, vor 3000 bis 2500 Jahren? Das wird klar, wenn man sich den Hosen-Schnitt genauer ansieht (»oben baggy, unten skinny«). Noch deutlicher wird es, wenn das »male model« in Film und Buch den Nachbau testet: Der Zwickel ist so groß, dass er beim Gehen stört. Zum Reiten aber ist er prima.

Die Wissenschaftler haben keine Mühen gescheut – 8 km Garn waren nötig und die richtigen Bindungstechniken mussten erst einmal herausgefunden werden – und die Hose aufwendig nachgebaut. Vier verschiedene Bindungen wurden verwendet, damit die Hose an den richtigen Stellen elastisch ist oder eben reißfest. Wie ausgeklügelt! Mit den Reitervölkern startete die Hose dann ihren Siegeszug in alle Himmelsrichtungen.

Archäologie kann spannend sein wie ein Krimi, das zeigt auch dieses Projekt. Aber im Film ist es gelungen, den etwas peinlichen CSI-Touch zu vermeiden, der vielen anderen Dokus anhaftet. Die Wissenschaftler wirken sympathisch und holen den Zuschauer/Leser bei dem ab, was er kennt. Man merkt den Fachleuten ihre Faszination an, lässt sich anstecken. Buch und Film sind liebevoll gemacht – nie wurde die 14C-Datierung anschaulicher erklärt! – und kurzweilig. Das Buch folgt im Aufbau dem Film, die Texte sind kurz, und es gibt viele Bilder (mehr als »nur« Grabungsfotos). Manches – wie die unterschiedlichen Bindungsarten – kann man sich am Buch noch einmal sehr gut vergegenwärtigen. Für weitere Infos zum Forschungsprojekt und Literatur verweisen die Autoren auf die DAI-Homepage – für alle, die es genauer wissen wollen.

Melanie Kattanek


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AiD-Lexikon:
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Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.