International: Türkei

Leg ihnen Brot in die Hand...

Text: Dirk Paul Mielke M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Kusakli-Forschungsprojekt des Vorgeschichtlichen Seminars der Philipps-Universität Marburg

...wird dem hethitischen König nach einem alten Keilschrifttext aufgetragen. Neueste Forschungen in der Hauptstadt Hattuscha zeigen, dass dem Staat auch die Sicherung von Wasser- und Getreidevorräten ein wichtiges Anliegen war. Bereits vor einem Jahrzehnt wurden die ersten größeren Teiche im Osten der Oberstadt entdeckt. In den letzten zwei Jahren konnten auf einem hoch gelegenem Plateau in der Oberstadt 5 weitere Wasserbecken erforscht werden, die primär der Versorgung dienten. Aufwändige Anlagen gab es auch zur Sicherung der Getreidevorräte. Eine Sensation war der Fund von mehreren hundert Tonnen verkohltem Getreide. Die Beispiele zeigen, dass Anlagen zur Sicherung grundlegender Nahrungsressourcen zu den wesentlichen Bestandteilen einer Stadt gehörten und schon bei der Planung berücksichtigt wurden. Doch warum war das so? Liegt hier eine Reaktion auf die spezielle Umweltsituation vor oder spielten Gesellschaftsstrukturen eine Rolle? Wer ein Bild der heutigen Landschaft in Anatolien vor Augen hat, wird als Antwort eher die Umweltsituation heranziehen. Vegetation und Klima und vor allem auch deren Veränderung im Laufe der Zeiten können durch die Bestimmung von Pollen erfasst werden. Erste Ergebnisse der Pollenanalyse aus dem Quellteich des Heiligtums von Sarissa ergaben: Es stand ausreichend Wald zur Verfügung, der natürlich auch einen Einfluss auf das Mikroklima und die Grundwasserverhältnisse hatte. Zudem haben die Hethiter einen intensiven Ackerbau betrieben, bei dem bevorzugt Getreide mit guten Lagereigenschaften wie Gerste, Einkorn und Emmer angebaut wurde. Eine besondere Umweltsituation kann daher nicht der zwingende Grund zur Errichtung von Grosspeicheranlagen gewesen sein, auch wenn sich im Laufe der hethitischen Zeit deutliche Veränderungen durch Eingriffe des Menschen erkennen lassen. Vielmehr spricht alles dafür, dass die großen Speicheranlagen eine Erscheinung des zentralistisch organisierten Staatswesens der Hethiter sind. Doch die Forschungen zu den Beziehungen von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt im hethitischen Reich stecken noch in den Anfängen und man darf gespannt sein, was die bevorstehende Grabungssaison an neuen Erkenntnissen hervorbringt. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 3 / 2002.

 

Diese Ausgabe ist nicht mehr erhältlich

 

Buchrezension:
BodenSchätze – Archäologie in Köln

Köln: J.P. Bachem Verlag 2018, 143 S., zahlr. farb. Abb., 18,95 Euro


AiD-Lexikon:
Danewerk

Riesige frühmittelalterliche Wallanlage im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Dänemark.