International: Nordsudan

Vor der großen Flut

Text: Annett Dittrich, Kerstin Geßner und Dr. Pawel Wolf, Berlin

Ein ähnliches Großprojekt wie der Bau des Assuanstaudammes, der Ägypten mit Strom versorgt und die Nilüberschwemmungen stromaufwärts kontrollierbar macht, soll in einigen Jahren im nördlichen Sudan realisiert werden. Ab 2008 wird hier der Nil im Gebiet des 4. Kataraktes auf etwa 170 km Länge angestaut. Neben Dörfern und fruchtbarem Ackerland ist dadurch auch eine bislang unerforschte Kulturlandschaft dem Untergang geweiht. Im Wettlauf gegen die Zeit versuchen Archäologen aus aller Welt nun eine möglichst umfassende Bestandsaufnahme des Gebietes. Im Winter 2003/2004 stand ein Teilprojekt erstmals unter deutscher Leitung. Die Menge der neu entdeckten Fundstellen zeugt von der intensiven Nutzung des Flusses über sämtliche Epochen der Menschheitsgeschichte hinweg. Zu allen Zeiten zog das Niltal Menschen an, wenn auch mit ganz unterschiedlichen Interessen. Ressourcen - in erster Linie natürlich das Wasser - und die jeweilige Wirtschaftsweise gaben dabei die Nutzung des begrenzten Raumes vor. Spezielle Kernformen wie beispielsweise die so genannten Halfa-Kerne zeigen, dass das Gebiet auch im Jungpaläolithikum besiedelt war. Hiermit sind Hinterlassenschaften dieser Periode erstmals auch südlich des 2. Kataraktes entdeckt worden - was allerdings auf die sporadische Forschungsarbeit in dieser Region zurückzuführen ist. Auf das Neolithikum folgte die bronzezeitliche Kerma-Kultur. Deren Träger suchten die Felsenwüsten des Hinterlands offenbar nur noch zur Anlage ihrer Grabbauten auf. Von diesen oft auf steilen Berggraten gelegenen Friedhöfe fiel einer durch seine sehr exponierte Lage auf. Neun kreisrunde, aus Bruchsteinen gesetzte Tumuli ermöglichen einen Überblick auf die gesamte Region. Bemerkenswert ist, dass die oberen Berghänge und die Oberfläche zwischen den Grabbauten mit Gefäßfragmenten und Steinwerkzeugen einer vormaligen neolithischen Besiedlung übersät sind. Die meisten der während des Survey entdeckten Siedlungen stammen erst aus der mittelalterlichen bzw. christlichen Periode. Sie liegen sehr nahe am Nilufer, zum Teil zwischen den modernen Siedlungen, und überlagern möglicherweise Siedlungen älterer Epochen. Typisch ist die Einbettung mittelalterlicher Siedlungskomponenten in natürliche Felskessel und die Ausnutzung von Felsnischen als Windschutz bzw. Häuserrückwand. In Anbetracht dessen, dass nicht nur eine Kulturlandschaft der Vernichtung durch den Stausee preisgegeben ist, sondern auch das geschichtlich gewachsene Verhältnis zwischen der nahezu einmaligen Landschaft und der umzusiedelnden lokalen Bevölkerung, wurde auch die heutige Lebensweise untersucht, ebenso wie die räumliche und zeitliche Nutzung von Hauskomponenten, Haushaltsinventaren, benachbarten Bau- und Landstrukturen sowie öffentlichen Räumen. Parallel dazu entsteht eine Studie der derzeitigen ökologischen Situation. Neben Topografie, Geologie und Bodenkunde, dem heutigen Klima und der Wassersituation werden hierbei auch die rezente Flora und Fauna sowohl im Fruchtland am Nil, wie im bergigen Hinterland berücksichtigt. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2004.

Buchrezension:
Als der Mensch die Kunst erfand

– Eiszeithöhlen der Schwäbischen Alb

Darmstadt: Theiss Verlag 2017, 192 S., 110 farb....


AiD-Lexikon:
Danewerk

Riesige frühmittelalterliche Wallanlage im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Dänemark.