Titelthema: Pfeil und Bogen

Präzise und von hoher Durchschlagskraft

Text: Jürgen Junkmanns, M.A., Experimentalarchäologe Köln.

Pfeil und Bogen zählen ohne Frage zu den großen Erfindungen der Menschheit. Schon vor sieben bis achttausend Jahren gingen Menschen damit auf die Jagd, wie Felszeichnungen in der ostspanischen Valtortaschlucht illustrieren. Kaum eine andere Maschine, denn als solche ist die Einheit von Bogenstab, Bogensehne und Pfeil zu bezeichnen, ist so einfach und zugleich so unglaublich leistungsfähig. Wann genau Pfeil und Bogen erfunden wurden, ist mangels eindeutig aussagefähiger Funde schwer zu erfassen. Die bislang weltweit ältesten Bögen (Holmegard und Ulkestrup Lyng, beide Dänemark, ca. 6000-8000 v. Chr.) und Pfeile (Stellmoor bei Hamburg, um 10000 v. Chr.; Lilla Loshult, Südschweden, ca. 7500 v. Chr.) zeigen eine bereits perfekte und ausgereifte Waffe, sodass sie kaum den Anfangspunkt der Entwicklung markieren können. In Europa waren von der späten Altsteinzeit bis zum Mittelalter mannslange, meist 140 bis 190 cm große, einteilige Holzbögen in Gebrauch. Vermutlich erfolgte die Erfindung von Pfeil und Bogen weit früher, obwohl direkte Beweise dafür bislang fehlen. Indirekte Hinweise, wie sie z.B. die zierlichen Steinspitzen von verschiedenen Fundplätzen der iberischen Halbinsel liefern, gehen in die Zeit auf ca. 16 bis 20000 v. Chr. zurück. Zur Herstellung jungsteinzeitlicher Bögen wurde offensichtlich feuchtes Holz und nicht, wie heute üblich, abgelagertes, trockenes Material verwendet. Arbeitsspuren auf den erhaltenen Bogenrohlingen zeigen, dass der Stamm zunächst gespalten und dann mit Beilen in die gewünschte Form gebracht wurde. Das Halbfabrikat musste nun getrocknet werden, da feuchtes Holz seine Spannkraft verliert, wenn es vorzeitig belastet wird. Dieser Prozess dauerte ungefähr 1 bis 2 Wochen, danach konnte die endgültige Glättung und Justage der Bogenarme durch Schaben mit Feuersteinklingen erfolgen. Für die Funktion und zur Reduzierung der Bruchgefahr war es wichtig, dass die Bogenarme sich so gleichmäßig wie möglich bogen. Abschließend wurden die Bögen sorgfältig geschliffen - wahrscheinlich mit Sandstein und Schachtelhalm (Zinnkraut).. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2004.

 

Buchrezension:
Medicus

– Medicus – Die Macht des Wissens
Darmstadt: wbg THEISS 2019, 256 S., 240 Abb., 30 Euro


AiD-Lexikon:
Zahnformel

Auch Gebissformel oder Zahnschema genannt.